Biografie

1986 in Bosnien-Herzegowina geboren und aufgewachsen, wird Goran Stevanovic schon als Kind mit dem Akkordeon vertraut gemacht. Das Instrument ist essentieller Teil der “Sevdah”, der traditionellen, eklektischen Musik des multikulturellen Landes. Das Akkordeon, auch häufig als “das atmende Instrument” bezeichnet, wird zu seinem Instrument.

2005 nimmt Stevanovic das Akkordeonstudium bei Professor Vojin Vasovic in Bijeljina, Bosnien-Herzegowina, auf; hier erarbeitete er sich die wesentlichen Technikgrundlagen des Akkordeonspiels, das Instrument wurde für ihn zunehmend zu einem integralen Körperteil. 2009 wechselte Stevanovic an die Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover (HMTMH) und führte sein Studium bei Professorin Elsbeth Moser fort. Gefördert durch die Gundlach Stiftung, die Oscar und Vera Ritter-Stiftung, die LMN Hamburg sowie die Stiftung Edelhof Ricklingen entwickelte er nach und nach seine eigene, zeitgenössische Sprache für das Akkordeon sowie ein ausgeprägtes Bewusstsein für die Ästhetik des Instruments. Darüber hinaus eröffneten ihm die Lehren von Professor Walter Nußbaum zur Analyse von Interpretationen sowie zum Umgang mit zeitgenössischer Musik ein interpretatorisches Selbstbewusstsein. 2018 beendete Stevanovic sein Studium mit dem Konzertexamen. Sein Abschlusskonzert war das erste Akkordeonkonzert in der Reihe „Meisterstück“ an der HMTMH.

Die Auswahl von Kompositionen für seine Auftritte trifft Stevanovic stets so, dass sie seine momentane Wahrnehmung und Empfindung reflektieren. Er versteht seine Interpretationen als – mitunter kritische – Kommentare zu seiner Umwelt. Ein besonderes Anliegen ist ihm auch die klangliche Erweiterung des Akkordeonspiels, die er z.B. durch Obertongesang, Elektronik und den Einsatz von weiteren Klangkörpern forciert.

Wichtiger Bestandteil seiner künstlerischen Arbeit ist die direkte Zusammenarbeit mit diversen Komponist*innen. Er brachte Kompositionen von Feliz Anne Reyes Machais, Aleksandra Vrebalov, Belma Beslic-Gal, Aleksandar Sedlar, Randall Meyers, Harald Weiß und Markus Stockhausen zur Erstaufführung.

Während er für diese Interpretationen in der Regel ein Knopfakkordeon (eine Pigini Nòva Nr. 45 aus limitierter Produktion) spielt, greift Stevanovic für die Interpretation anderer Musikstile (Tango, Chansons etc.) auf ein Bandoneon oder eine Accordina zurück.

Stevanovic ist mehrfacher Preisträger von nationalen und internationalen Wettbewerben (in China, USA, Spanien etc.). Unter anderem gewann er 2012 den Deutschen Akkordeonmusikpreis.

Mit unterschiedlichen Ensembles, aber auch als Solist, war er in den letzten Jahren unter anderem auf dem Brahmsfestival Lübeck, dem Brucknerfestival Linz und dem Orient-Occident-Festival Sierre/Schweiz zu hören. Auch kann er u.a. auf Konzerte mit der NDR Radiophilharmonie, dem Göttinger Symphonie Orchester, dem Hannoverschen Orchester im Treppenhaus und dem Klangforum Heidelberg zurückblicken.

Er geht Lehrtätigkeiten an der HMTMH Hannover (künstlerisch-pädagogische Ausbildung, Projektarbeit), der Musikschule Hannover, der Kreismusikschule Gifhorn sowie als Gastprofessor an der Universität in Bijeljina / Bosnien-Herzegowina nach und ist Jurymitglied beim Wettbewerb Jugend musiziert. Um seinem Wunsch nach der Vermittlung musikalischer Hintergründe an ein breites Publikum nachzukommen, hat er zudem die Reihe „Vielharmonie Orange“ initiiert, bei welcher er auch die künstlerische Leitung inne hat.

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